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Dienstag, 11. September 2012

Lunch à deux...


Draussen schönste Sonne, lachende junge Frauen, spielende Kinder, "summer in the city" ist eigentlich angesagt – aber hier in der Kantine? Die Massen drängen zu den Fleischtöpfen, die bei einem solchen Auflauf im Zweifelsfall mit 'Currywurst' oder 'Linsen mit Spätzle' gefüllt sind. Meine Kollegin schaut mich fragend an: Da muss es doch Alternativen geben!? Sie plädiert für Pizza oder vielleicht zum Thai in der Stadt? Aber nein, es gibt besseres in Stuttgart! Denn seit neuestem gilt sogar auf "Michelin-Sterne"-Niveau: "Business-Lunch" statt "business as usual"! Ein kurzer Anruf, ein Tisch ist frei, wir kommen in 15 Minuten!

Im Restaurant des Stuttgarter 'Hotel am Schlossgarten', das seit zehn Jahren dank der beständigen Kochkunst von Bernhard Diers mit Sternen ausgezeichnet wird, gibt es nun einen Mittagstisch. Zwei Gänge plus Kaffee für 39 Euro, nicht gerade ein Schnäppchen, dafür ist aber auch ein Parkplatz in der Hoteltiefgarage inbegriffen sowie ein sehr herzlicher Empfang durch Susanne Diers, die uns mit charmantem Lächeln zu unserem Tisch führt: "Bei dem schönen Wetter haben wir Ihnen ein Platz auf der Terrasse reserviert!" Wunderbar! Weiß und eine zurückhaltende Dekoration, insgesamt ein sehr angenehmer Tisch für Zwei mit Blick auf den Schlossgarten: Pizza und Kantine sind vergessen!


Der Herrschaftsbereich von Bernhard Diers – Schüler von Eckart Witzigmann und als Patron des "Schwanen" in Haigerloch schon mit zwei Michelin-Sternen belohnt – ist großzügig renoviert worden. Die ehemalige holzvertäfelte Zirbelstube gibt es noch als Gelegenheit für privaten Feiern im "fine-dining"-Stil, das ehemalige Hotelrestaurant und der Sterne-Bereich wurden jedoch zum "Schlossgarten Gourmetrestaurant Bernhard Diers" vereint – inklusive der Terrasse, auf der wir jetzt sitzen und sogleich vom aufmerksamen Service nach unseren Wünschen gefragt werden. Susanne Diers überreicht uns die große Karte, denn neben dem feststehenden Lunch kann man natürlich auch eines der Menüs ihres Mannes als Mittagessen zu sich nehmen. Zwei nette Herren neben uns haben heute wohl nichts mehr vor: sie sind schon mitten im Acht-Gänge-Genießer-Menü und lassen sich auch von meiner charmanten Begleiterin nicht ablenken. Wir  aber wollen jetzt nicht die große Oper, sondern nur das kleine Mittagsgericht! "Aber ein Aperitif darf‘s doch vorher sein?" fragt Sommelier Ismet Arda freundlich nach. Mit einem kurzen Blick verständigen wir uns – wenn schon Sterne am Mittag, dann richtig: Ein Glas Champagner wird schon nicht die gesamte Arbeitsmoral untergraben - das zustimmende Lächeln meiner Begleiterin ist jede Abweichung von deutscher Arbeitswut wert!


Diers bietet heute Maultaschen in einer Essenz als Vorspeise, Entenbrust als Hauptgang an. Nicht schlecht… aber noch besser, wenn man die Maultaschen, vielleicht umgehen könnte… das Tatar erscheint da doch viel verlockender. So machen wir es dann auch, zumal Herr Arda uns offene Weine aus Württemberg als ideale Begleiter des kleinen Menüs anbietet. Ich schaue nach meinen "Weindorf"-Erlebnissen mit Vierteles-Weinen etwas skeptisch, aber er verspricht, uns zu überraschen. Also gut: Heute ist der Tag der mutigen Neuerfahrungen, wir lassen uns überraschen.
Die Überraschung der Küche gelingt schon mal auf jeden Fall: ein Omelett mit ein wenig Kaviar, das lassen wir uns gerne gefallen – Klein, aber sehr fein!


Herr Arda nutzt unsere gute Laune und empfiehlt uns zum anschließenden ersten Gang einen Weißwein: Riesling, 'Großes Gewächs' aus dem Hause Schnaitmann zum "Tatar vom Kalbfleisch mit Basilikum-Pesto". Also Weißwein zum roten Fleisch? Ob das passt? Und wie gut das passt! Der Wein aus dem Jahrgang 2008 ist vollmundig, reif und so eigenständig, dass er besser als mancher tiefrote Franzose diese Gang adelt. Er betont die Frische des Fleisches, die dezente, aber dennoch starke Note des Pestos: eine Vorspeise, die nur begeistert.
Danach die Ente: "Knusprige Entenbrust im Honig-Thymian-Lack, Serviettenknödel, Erbsen und Maisragout". Das hört sich nicht nur toll an, sondern ist rundum gelungen. Die Entenbrust ist zart und leicht rosa, wie es sich gehört, die Serviettenknödel von einer Intensität, die auf der Zunge schmilzt. Und jetzt kommt die große Stunde von Herrn Arda: seine Trollinger-Empfehlung akzeptieren wir nicht nur, nein, wir goutieren sie als wirklich sehr gute Ergänzung des Hauptgangs. 


Ich bin begeistert von diesem ausgezeichneten Wein aus Württemberg und Herr Arda, Sohn eines Türken und einer Schwäbin, lässt seinen ganzen Stolz auf die tolle Entwicklung der Weine seiner Heimat heraus, indem er ganz kurz von seinem perfekten Hochdeutsch ins Schwäbische wechselt: "Mir könnet halt wirklich alles!"
Wohl wahr: Bernard Diers und sein Team können alles, sie verstehen es, aus einer kleinen Mittagspause ein großes Erlebnis zu machen. Seine neu interpretierten Klassiker machen Lust auf mehr, Lust auf die große kulinarische Oper aus seinem ganz persönlichen Repertoire der Grande Cuisine. Vielleicht am Abend?
Jetzt, am mittlerweile frühen Nachmittag, haben wir beide erst einmal ein anderes Problem: "Müssen wir eigentlich heute noch einmal ins Büro?" Wir verständigen uns auf ein gemeinsames und entschlossenes "Nein!", setzen uns auf das Grün des Schlossgartens und überlegen, wo wir unsere nächste, so ganz spezielle Mittagspause für Zwei machen könnten...




Althoff Hotel am Schlossgarten

www.hotelschlossgarten.com/
Schillerstraße 23  70173 Stuttgart
0711 20260










1 Kommentar:

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